Einleitung
Von Marco Heiles
Hinweis: Dieser Text thematisiert Judenhass und enthält explizite Schilderungen von Folter.
Inhalt
Die Historie von der Ermordung der Trienter Juden
Verschwörungserzählung – Zur Begriffsbestimmung
Die jüdische Gemeinde in Trient 1475
Verschwörungserzählung und Folterprozess: Sagt mir, was sol ich sagen
Die Historie von Simon zu Trient als Verschwörungserzählung
Der Druck der Historie von Simon zu Trient
Zur Einrichtung der digitalen Edition
Die Historie von der Ermordung der Trienter Juden
Die Historie von Simon zu Trient wurde am 6. September 1475 von Albrecht Kunne in Trient als Inkunabeldruck veröffentlicht1 und sollte vielleicht besser Historie von der Ermordung der Trienter Juden genannt werden. Der Druck, der zeittypisch noch ohne Titel und Titelseite erschienen ist, erzählt in zwölf Bildern und dreizehn Kapiteln von der angeblichen Entführung, Folterung und Tötung des zweijährigen Gerbersohns Simon durch die Männer der jüdischen Gemeinde in Trient, der Übergabe des Leichnams an die Trienter Obrigkeit, dessen Aufbahrung in der Kirche St. Peter, der Verhaftung und den ersten Hinrichtungen der Juden und den postum vom ‚seligen‘ Simon vollbrachten Wundern.2 Der Text ist ein vom Fürstbischof Johannes Hinderbach oder dessen Umfeld initiierter Propagandatext.3 Die Historie will Judenhass schüren, den noch bis ins Folgejahr weiterlaufenden Prozess gegen die Mitglieder der jüdischen Gemeinde rechtfertigen und zur Verehrung Simons als Märtyrer und Heiligen aufrufen. Trotz des im Druck behaupteten Anspruchs auf die warhait der hystorie (Historie von Simon zu Trient, Bl. B6r), hat der geschilderte Ritualmord durch die jüdische Gemeinschaft sicher niemals stattgefunden. Stattdessen wurde diese ‚Wahrheit‘ in Trient in einer Kombination von Verschwörungserzählungen und Folterverhören geschaffen, die ich im Folgenden genauer betrachten möchte.
Diese Einleitung zur Edition der Historie von Simon zu Trient nach dem Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek München möchte dabei zum einen eine Interpretation der Historie als Verschwörungserzählung anbieten – und versucht dazu den Begriff der Verschwörungserzählung aus literaturwissenschaftlicher Perspektive zu schärfen. Zum anderen führt die Einleitung in die historischen Ereignisse um den Ritualmordprozess ein und möchte vor allem die Opfer der dabei entwickelten Verschwörungserzählungen, die Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Trient und ihr grausames Schicksal vorstellen.
Anlass für diese Edition und die weitere Auseinandersetzung mit der Historie von Simon zu Trient war ein germanistisches Master-Hauptseminar zu ‚Verschwörungserzählungen im Spätmittelalter und heute‘, das im Wintersemester 2022/23 an der RWTH Aachen stattgefunden hat.4 In diesem haben wir – ausgehend von unseren eigenen aktuellen Erfahrungen mit Verschwörungserzählungen während der Coronapandemie – eine ganze Reihe spätmittelalterlicher Texte auf strukturelle Gemeinsamkeiten mit und motivische Kontinuitäten zu heutigen Verschwörungserzählungen untersucht. Da mehrere Studierende Hausarbeiten zur Historie von Simon zu Trient schreiben wollten und eine zitierfähige und gut lesbare Ausgabe des Textes fehlte, habe ich mithilfe von Transkribus5 eine Transkription des Druckes erstellt. Dank der technischen Unterstützung von Michael Schonhardt und des Fachgebiets ‚Digitale Editorik und Kulturgeschichte des Mittelalters‘ der Technischen Universität Darmstadt kann diese Transkription jetzt hier als Digitale Edition erscheinen. Begleitet wird die Edition von einer Artikelserie im Blog Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte. Neben einer ausführlicheren Version dieser Einleitung unter dem Titel Die Historie von Simon zu Trient – eine judenfeindliche Verschwörungserzählung aus dem Jahre 14756 erscheinen dort auch drei studentische Arbeiten aus dem genannten Hauptseminar. Diese bilden eine sich ergänzende Folge, können aber auch unabhängig voneinander gelesen werden.7
Verschwörungserzählung – Zur Begriffsbestimmung
Der Begriff ‚Verschwörungserzählung‘ ist relativ jung. Das Digitale Wörterbuch
der deutschen Sprache (DWDS) erfasst im Zeitungskorpus erst seit 2020 eine
nennenswerte Anzahl an Belegen des Wortes (siehe Abb. 1).8. Seit wenigen Jahren wird der Begriff sowohl in
der Wissenschaft als auch darüber hinaus als Alternative zu
‚Verschwörungstheorie‘ benutzt, zumeist ohne dass dabei zwischen den beiden
Begriffen eindeutig unterschieden wird.9 Das DWDS gibt an, eine
Verschwörungserzählung sei eine „Geschichte, Legende, in der eine bestimmte,
unerwünschte Situation oder Entwicklung als Ergebnis einer geheim gehaltenen
Übereinkunft meist hochrangiger und einflussreicher Personen oder Personenkreise
dargestellt oder gedeutet wird“,10 während eine Verschwörungstheorie ein „Versuch
[sei], eine bestimmte, unerwünschte Situation oder Entwicklung als Ergebnis
einer geheim gehaltenen Übereinkunft meist hochrangiger und einflussreicher
Personen oder Personenkreise zu deuten“.11 Verschwörungserzählungen sind also
‚Geschichten‘, während Verschwörungstheorien ‚Deutungsversuche‘ sind, die auch
auf andere Weise artikuliert und verbreitet werden können als in Narrativen. Die
Verschwörungserzählung kann somit als eine Ausdrucksform der
Verschwörungstheorie gesehen werden.12
Dabei sollte man sich von den eindeutigen Bedeutungsangaben des Wörterbuchs aber
nicht täuschen lassen. Wie Carolin Mischer 2019 in ihrem Beitrag zur „Theorie
hinter der Theorie“ der Verschwörungstheorien feststellt, existiert „eine
allgemein anerkannte Definition der Verschwörungstheorie […] bislang nicht“.13 Stattdessen verändert sich ihre
Definition je nach Fachperspektive derjenigen, die dieses Phänomen untersuchen
(Soziologie, Politikwissenschaften, Kriminologie, Theologie, Geschichte etc.).14
Der Begriff Verschwörungserzählung bietet nun aber auch die Möglichkeit, eine
eigene literaturwissenschaftliche Fachperspektive zu entwickeln und die sich
entwickelnde Begriffsbestimmung und -differenzierung rund um die
Verschwörungstheorie mitzugestalten. Literaturwissenschaftliche
Auseinandersetzungen mit dem Konzept Verschwörungserzählung sind bislang selten.
Orientiert habe ich mich vor allem an John David Seidler, der in seiner 2016
erschienenen Dissertation die
„Verschwörung der Massenmedien“ im 19. bis
21. Jahrhundert untersucht und dabei Überlegungen von David Kelman zur
Erzählstruktur amerikanischer Paranoia-Literatur des 20. Jahrhunderts
aufgegriffen hat.15

Ich selbst verstehe Verschwörungserzählungen als Textreihe16 historisch aufeinander folgender Erzählungen, die in unterschiedlichen Textsorten realisiert werden können, entweder eigenständig oder als Teil größerer Werke. Die Textreihe der Verschwörungserzählungen ist dementsprechend mit anderen Textreihen – wie beispielsweise der Legende, der Chronik oder der Neuen Zeitung – verschränkt. Wie andere Textreihen und Gattungen lässt sich auch die Verschwörungserzählung mittels eines prototypischen Merkmalbündels beschreiben. Dabei weisen nicht alle Vertreter der Textreihe alle genannten Merkmale auf, sondern diese repräsentieren nur einen Idealtyp derselben, der zudem historischen Veränderungen unterliegt.17
Textreihenprägend scheint mir vor allem die gruppenbildende und identitätsstiftende Funktion der Verschwörungserzählungen, die ich auch als Ausgrenzungstexte verstehe – also als Texte, die dazu dienen, eine Gruppe der Anderen zu definieren und aus der eigenen Gruppe, die sich zumeist als Mehrheitsgesellschaft versteht, auszugrenzen (Othering).
Verschwörungserzählungen erzählen demnach immer mindestens von zwei Gruppen, einer Wir-Gruppe und einer Gruppe der Anderen. Die Gruppe der Anderen (oder ihr Führungszirkel) bespricht sich dabei heimlich untereinander, um der Wir-Gruppe – zu der Erzähler*in und Publikum gehören – im Geheimen zu schaden.18 Wie Lisa Lampert-Weissig betont, wollen die Verschwörungserzählungen bei den Rezipient*innen Angst und Ekel gegenüber der Gruppe der Anderen hervorrufen.19 Dies ist zumeist mit einer Entmenschlichung dieser Gruppe verbunden, deren Handeln als tierisch, monströs oder teuflisch beschreiben wird. Die Verschwörungserzählung artikuliert dabei einen Wahrheitsanspruch und versteht sich selbst als faktuale Erzählung von der Wirklichkeit und will auch auf diese wirken.20 Besonders vormoderne Verschwörungserzählungen erzählen daher oft nicht nur von der Gruppe der Verschwörenden und ihrem schädlichen Handeln, sondern auch von deren Aufdeckung und Bestrafung. Verschwörungserzählungen können daher auch als Handlungsanleitungen gelesen werden und wurden nachweislich auch als solche benutzt. So löste die intensive mediale Verbreitung der Verschwörungserzählungen über Simon von Trient weitere Ritualmordprozesse in Süddeutschland und Norditalien aus, und in Regensburg wurden die Trienter Prozessprotokolle sogar zur Erstellung eines Verhörfragebogens genutzt, der dazu führte, dass die Verhafteten schnell die vom Rat entwickelte Verschwörungserzählung bestätigten.21 In historischer Perspektive lässt sich die Wirkmacht dieser Erzählungen leicht erkennen: Verschwörungserzählungen und Folterprozess bilden ein als Echokammer funktionierendes, wirklichkeitserzeugendes Erzähl- und Mediensystem. Das ist nicht nur bei den Ritualmorderzählungen, sondern auch bei anderen vormodernen Verschwörungserzählungen zu beobachten, etwa bei den Erzählungen über Hexen.22 Mit Foucault sind auch Verschwörungserzählungen als „Praktiken zu behandeln, die systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen.“23
Konkret begegnen uns Verschwörungserzählungen als ausformulierte Erzählungen (discours), die immer wieder dieselbe Geschichte (histoire) oder Geschichten eines Stoffes erzählen. Sie greifen dabei – auch über Stoffgrenzen hinweg – auf ein wiederkehrendes Set an Erzählmotiven und Erzählschemata zurück. So ist die Historie von Simon zu Trient, die uns in den Exemplaren der am 6. September 1475 von Albrecht Kunne fertiggestellten Druckausgabe vorliegt, nicht die erste Erzählung der Geschichte vom Tod des Simon und der Qual und Hinrichtung der Juden und Jüdinnen von Trient. Und auch diese Vorläufer waren nicht die ersten Geschichten vom angeblichen Knabenmord durch eine Gruppe jüdischer Verschwörer*innen. Motivparallelen lassen sich dabei nicht nur zu anderen Ritualmordlegenden (mindestens) seit Thomas Monmouths Vita et passione Sancti Willelmi Matyris Norwicensis (1149/50, 1154–55 und ca. 1172–1174)24 erkennen, sondern auch zur Passionsgeschichte des Neuen Testaments – also der Geschichte von der Verschwörung der Juden zur Hinrichtung des Sohn Gottes.25 Die Historie stellt diese Parallelen zur Heiligen Schrift sogar explizit aus und nutzt sie zur Emotionalisierung und Glaubhaftmachung der Erzählung.
Grundsätzlich zu unterscheiden sind außerdem tatsächliche Verschwörungserzählungen mit komplexer Handlungsstruktur, die von Verschwörung, Schädigung, Aufdeckung oder Strafe erzählen, von solchen Texten und Bildern, die nur auf Verschwörungserzählungen verweisen oder einzelne Motive aufgreifen. Diese Differenzierung wird mit Blick auf aktuelle Verschwörungstexte besonders deutlich, die nicht mehr selbst von der eigentlichen Verschwörung erzählen.26
Die Ereignisse in Trient 1475
Hier ist nicht der Ort, die historischen Ereignisse in Trient 1475 und ihre Folgen vollständig zu beschreiben. Ich möchte mich vor allem auf zwei Aspekte konzentrieren: (1.) eine knappe Vorstellung der damaligen jüdischen Gemeinde von Trient mit all ihren Mitgliedern und (2.) das Zusammenspiel von Verschwörungserzählung und Folterprozessführung zu Beginn des Prozesses. Für alles Weitere verweise ich auf die reichlich vorhandene Forschungsliteratur.
Der Ritualmordprozess in Trient ist einer der wirkmächtigsten der europäischen Geschichte und auch einer der besterforschten. Die Anzahl der Publikationen ist inzwischen kaum noch zu überschauen. Eine Auswahl habe ich in einer Zotero-Bibliographie zusammengestellt,27 die hier in der digitalen Edition unter „Literatur“ aufgerufen werden kann. An dieser Stelle erwähne ich nur die wichtigsten Titel, die gleichzeitig auch den Weg zu vielen weiteren weisen. Empfehlenswert sind vor allem die Monographien von Ronnie Po-chia Hsia (1992),28 Wolfgang Treue (1996)29 und Magda Teter (2020).30 Den leichtesten Einstieg für deutsche Leser*innen auch von außerhalb der Mediävistik bietet dabei sicher immer noch die deutschsprachige Ausgabe von Hsias Monographie „Trient 1475. Geschichte eines Ritualmordprozesses“ (1997),31 auch wenn das Buch nur noch antiquarisch zu erhalten und es in Details inakkurat oder überholt ist. Grundlage aller Darstellungen sind die Prozessakten, die inzwischen vollständig ediert vorliegen.32 Die handschriftlichen und gedruckten Quellen der Erzählungen von der Ermordung der Trienter Juden und Jüdinnen listen Hamster (1991) und Bowd (2015) auf.33 2019 erschien zudem ein umfassender italienischsprachiger Ausstellungskatalog, der vor allem die (bildliche) Rezeptionsgeschichte detailliert erfasst.34
Die Historie von Simon zu Trient ist nicht der einzige deutschsprachige Text, der die Ereignisse beziehungsweise die daraus konstruierte Verschwörungserzählung schildert. Einen Überblick zur Stofftradition bieten die einschlägigen Artikel im Verfasserlexikon35 und im Deutschen Literatur-Lexikon. Das Mittelalter.36 Germanistische Arbeiten zu diesen Texten haben zuletzt Nicole Spengler (2002) und Julia Frick (2020 und 2025) vorgelegt.37 Die Historie im Speziellen und zwar als „antijudaistische ‚Fake News‘“38 hat Theresa Astleithner (2021) behandelt, die Text-Bild-Beziehungen derselben wurden zuletzt von David S. Areford (2010) und Vincius de Freitas Morais (2019) untersucht.39
Hebräische Texte zu den Ereignissen in Trient sind dagegen selten – und leider werden diese Texte auch kaum beachtet. Aus der Zeit des Prozesses gibt es nur zwei hebräische Zeugnisse, einen die Ereignisse berichtenden Brief und ein Klagelied (kinah) über die Hinrichtungen von 1475. Beide Texte wurden 1992 von Emanuela Trevisan Semi ins Italienische übersetzt und vorgestellt.40 Eine deutsche Übersetzung gibt es bislang nicht und nur das Klagelied wurde bislang ins Englische übersetzt. Verfasst wurde dieses Klagelied von einem Schelomo Ha-Levi, von dem wir leider nur seinen Namen kennen. Trevisan Semi vermutet, dass er Angelus/Ansel Ha-Levi besser kannte als die übrigen Opfer und möglicherweise ein Verwandter von diesem war.41 Da die englische Übersetzung von Sylvia A. Herskowitz von 1989 heute kaum noch zugänglich ist,42 habe ich diesen Text im Mittelalterblog als Anhang erneut publiziert, um den heutigen Leser*innen der Historie einen direkten Perspektivwechsel zu ermöglichen.
Die jüdische Gemeinde in Trient 1475
Das am Oberlauf der Etsch liegende Trient hatte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wahrscheinlich ca. 8000 Einwohner*innen und wurde von fremden Besucher*innen durchweg als kleine Stadt beschrieben.43 Trient lag im Übergangsgebiet zwischen dem deutschen und italienischen Sprachraum und politisch am Rande des österreichischen Hoheitsgebiets. Die Mehrheit der Bevölkerung und der städtischen Elite war italienischsprachig. Es gab aber eine starke deutschsprachige Minderheit, die ein Viertel der Einwohnerschaft ausmachte44 und in der „Handwerker, Landarbeiter und Dienstboten dominierten“45. Trient war die Residenzstadt des Fürstbischofs von Trient, der vom Kaiser nominiert wurde und in seiner Machtausübung vom Vogt des Hochstifts, dem Grafen von Tirol bzw. Herzogs von Österreich, abhängig war und auch die Belange der Bürgerschaft berücksichtigen musste. Die komplexe Verwaltungsstruktur der Stadt Trient spiegelt dies wieder: „Stadtherr war natürlich der Bischof. Daneben residierte in Trient der Österreichische Capitaneo, der über die Schlüssel der Stadtbefestigung und auch zur bischöflichen Burg verfügte. Er mußte sich zwar zur Treue gegenüber dem Bischof verpflichten, blieb aber doch in erster Linie herzoglicher Beamter. Die Stadtgemeinde wählte […] einen eigenen Magistrat, bestehend aus sieben, später acht Konsulen. An seiner Spitze stand ein Podesta, der ein ortsfremder Jurist sein mußte, von den Konsulen vorgeschlagen und vom Bischof für ein Jahr in sein Amt eingesetzt wurde. Er übte die höchste Gerichtsbarkeit unterhalb des Bischofs aus.“46
Die jüdische Gemeinde von Trient bestand im Frühjahr 1475 aus vierzehn Männern und sieben Frauen sowie mindestens neun Kindern, die in drei Haushalten lebten.47 Die meisten Mitglieder der Gemeinde stammten ursprünglich aus Oberdeutschland und waren im Laufe der letzten 15 Jahre nach Trient gezogen. Jüdische Einwohner*innen gab es in Trient aber wohl schon seit Beginn des 15. Jahrhunderts.48
Der größte Haushalt war der des Geldverleihers Samuel (ca. 45 Jahre). Samuel war Anfang der 1460er Jahre aus Nürnberg nach Trient gekommen. Zu seinem Haushalt gehörten seine Frau Brunetta (ca. 40 Jahre), sein erwachsener Sohn Israel (ca. 25 Jahre)49, dessen italienischsprachige Frau Anna (23 Jahre alt, aus Montagnana/Padua) und deren Säugling. Außerdem lebten in Samuels Haus sein ca. 80-jähriger Onkel Moses sowie dessen Sohn Mohar (44 Jahre) mit seiner Frau Bella (36 Jahre) und ihrem etwa 19–20 Jahre alten Sohn Bonaventura. Im Haushalt angestellt waren zudem der Koch Bonaventura aus Nürnberg sowie der Diener Vitalis. Samuel fungierte anscheinend auch als „eine Art Gemeindevorstand“.50 Ein Saal seines Hauses mit Vorzimmer wurde als Synagoge, und ein Kellerraum, der mit einem Wassergraben verbunden war, als Mikwe genutzt.
In Rufnähe zu Samuels Haus (siehe Abb. 2) befand sich das Haus des Arztes Tobias von Magdeburg (Ende 30 Jahre), der 1462/63 nach Trient geheiratet hatte. Mit seiner 1473 verstorbenen Frau Anna hatte er vier Söhne, von denen drei, Hahym, Josle und David (zwischen 8 und 10 Jahre alt) noch in seinem Haushalt lebten, während der älteste, Moses, zum Studium in eine andere Stadt gezogen war. Vor kurzem hatte Tobias erneut geheiratet: die junge Witwe Sara (ca. 25 Jahre), die eine Tochter, Nochella, mit in die Familie gebracht hatte. Als Hauslehrer der Kinder hatte Tobias den 19-jährigen Moses angestellt, der in armen Verhältnissen in Nürnberg aufgewachsen war. Zum Haushalt gehörte außerdem noch der Koch Salomon, „der allgemein für töricht galt“.51 Zumindest für einige Zeit lebte zudem der verarmte ehemalige Fuhrmann Joaf mit seinem Sohn Israel im Haus seines Verwandten Tobias.
Der dritte jüdische Haushalt Trients, nur wenige Häuser weiter in derselben Straße (siehe Abb. 2),52 war der des Ansel Ha-Levi (Mitte/Ende 30 Jahre) aus Verona, der in den lateinischen Quellen Angelus und in den deutschen Engel genannt wird.53 Auch er arbeitete wie Samuel als Pfandleiher und lebte seit ca. 1469 in Trient. Zu seinem Haushalt gehörten seine Mutter Brunetta, seine Frau Dulceta und ihre zwei Söhne Moses und Salomon (ca. 11 und 7 Jahre), außerdem seine geschiedene Schwester Bona und ihr etwa zehnjähriger Sohn Salomo. Zudem gehörtem dem Haushalt noch der Diener Lazarus und der Koch Isaak an.
An Ostern 1475 beherbergte die Gemeinde außerdem noch drei Gäste: Israel, der als fahrender Buchillustrator, -schreiber und -binder arbeitete und ein verletztes Bein bei Tobias auskurierte, sowie Moses aus Bamberg mit seinem Sohn Isaak, die auf der Durchreise nach Padua waren, wo Isaak die jüdische Schule besuchen sollte.
Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde wohnten im Stadtteil der deutschen Handwerker Trients und hatten wohl überwiegend geschäftlichen Kontakt zur übrigen, gojischen54 Bevölkerung. Es gab aber auch Freundschaften. So wissen wir aus den Verhörprotokollen, dass ihr Nachbar, der Schneider Roper, zum Kartenspielen bei Samuel zu Besuch war und dass die Frau seines Verwandten Berthold, Anna, zusammen mit Tobias’ Frau Sara das Bad besuchte.55
Am Gründonnerstag, dem 23. März 1485, verschwand der zweijährige Sohn Simon des deutschsprachigen Gerbers Andreas Unverdorben, der im selben Viertel wohnte. Am folgenden Tag, nachdem Andreas und seine Helfer vor allem die Wassergräben in der Nähe seines Hauses erfolglos durchsucht hatten, wird der Junge offiziell in der gesamten Stadt gesucht. Als sich daraufhin das Gerücht verbreitete, dass die Juden in der Osterzeit Kinder entführen und töten würden, wurden deren Häuser erfolglos durchsucht. Erst zwei Tage später, am Abend des Ostersonntags, fand Samuels Koch Bonaventura schließlich Simons Leichnam im Keller von Samuels Haus in einem durchfließenden Wassergraben. Der Arzt Tobias meldete diesen Fund in der bischöflichen Burg beim Kämmerer und einige Zeit später, nach vergeblichem Warten, meldeten die Hausvorstände Samuel, Tobias und Angelus den Fund erneut. Als schließlich der Podestà von Trient, Giovanni de Salis, gemeinsam mit dem Capitaneo Jakob von Spaur in Samuels Haus eintraf, ließ er eine Leichenschau durchführen, bei der der Leichnam im Beisein von Samuel, Angelus, Tobias, Israel (Samuels Sohn) und Bonaventura (Mohars Sohn) erneut geblutet haben soll56 – nach der Rechtsauffassung der Zeit ein sicheres Zeichen für deren Schuld.57 Nach ersten Befragungen ließ der Podesta schließlich acht Männer festnehmen.58 Nach einem medizinischen Gutachten und Befragungen vermeintlicher Zeug*innen wurden am Montagmorgen weitere neun Männer und Brunetta, die Frau des Samuel, verhaftet.59 Damit begann ein hauptsächlich mit Befragungen unter Folter geführter Prozess, der zur Vernichtung der gesamten jüdischen Gemeinde Trients führen sollte.
In Folge der Ritualmordanschuldigung wurden alle erwachsenen jüdischen Männer von der Trienter Obrigkeit verhaftet, gefoltert und getötet. Einzig der aufgrund einer geistigen Behinderung als unmündig geltende Koch Salomo wurde nicht festgenommen und überlebte. Die Frauen und Kinder wurden in ihren Häusern eingesperrt. Auch die Frauen wurden gefoltert und zwei von ihnen, Angelus’ Mutter Brunetta und seine Frau Dulceta, starben in Gefangenschaft. Die Kinder wurden, getrennt von ihren Familien, im November 1475 freigelassen. Im Januar 1477 wurden vier der bis dahin im Hausarrest Lebenden, Bella, Anna, Sara und Salomo der Koch, getauft und gezwungen, öffentlich gegen ihre Ehemänner auszusagen und beim ‚seligen‘ Simon und vor dessen aufgebahrtem Leichnam um Fürsprache zu bitten.60 Über das weitere Schicksal der Kinder geben die Quellen keine Auskunft. Ebenso unklar bleibt das Schicksal von Brunetta, der Frau Salomons. Sie wurde zusammen mit den Männern verhaftet und sicher gefoltert, die Prozessakten erwähnen sie aber nicht weiter und auch Nachweise einer angeblichen Konversion zum Christentum fehlen.61
Verschwörungserzählung und Folterprozess: Sagt mir, was sol ich sagen62
Erzählungen vom jüdischen Ritualmord an Kindern waren weit verbreitet und dürften allen Beteiligten schon vor Prozessbeginn mehr oder weniger bekannt gewesen sein. Bereits am Karfreitag forderte der Gerber Andreas den Podestà auf, Samuels Haus (domus Iudeorum) zu durchsuchen, weil in der Stadt erzählt würde, dass die Juden in der Osterzeit heimlich Kinder entführen und töten würden: […] dicendo quod per civitatem in diversis locis a multis personis dici audiverat, quod Iudei in hiis diebus sanctis, si comode possunt et secrete, capiunt pueros Cristianos et illos interficiunt […].63Auch Angelus muss ähnliche Geschichten gekannt haben, denn er lässt, als er vom Verschwinden des Kindes erfährt, seinen Keller durchsuchen und alle Öffnungen versperren, das nit das kindel in sein haws geworffen wurd .64 Noch bevor der Podestà mit den Verhören der festgenommenen Juden beginnt, lässt er einen aus einem anderen Grund inhaftierten Konvertiten befragen. Dieser Giovanni da Feltre berichtet, von seinem Vater erfahren zu haben, dass die Juden in Landshut einst zur Pessachzeit einen Jungen entführt und getötet hätten, um dessen Blut zu erlangen, das sie in ihren Speisen und Wein zu sich genommen hätten.65 Auch Bischof Johannes Hinderbach, dessen Bibliothek teilweise erhalten ist, hat nachweislich nach vergleichbaren Fällen bzw. Erzählungen gesucht und diese in seinen Büchern auch kommentiert. Die Berichte über Richard von Poise, Wilhelm von Norwich und Werner von Bacharach hat er in Vinzenz von Beauvais‘ Speculum historiale und Werner Rolevincks Fasciculus temporum mit entsprechenden Querverweisen versehen.66 Den Dominikaner Heinrich Institoris, den späteren Autoren des Hexenhammers (Malleus maleficarum), hat der Bischof zudem in die Bodenseeregion geschickt, um aus Ravensburg, Pfullendorf, Überlingen und Endingen Dokumente zu vergleichbaren Fällen zu besorgen.67
Der grobe Handlungsablauf der Geschichte (histoire) über Simon und die Juden und Jüdinnen von Trient war den Prozessführern also von Beginn an klar. Die Geschichte ist schon in unzähligen Varianten erzählt worden, bevor der Prozess überhaupt stattfand. Für eine rechtskräftige Verurteilung benötigten der Podestà und Bischof Hinderbach allerdings übereinstimmende Geständnisse der Beteiligten. Diese erzeugten sie in einer langen Reihe von Folterverhören. Als wichtigste Foltermethode diente ihnen dabei das Aufziehen an den hinter dem Rücken verbundenen Handgelenken (Strappado). Wie die Prozessprotokolle freimütig angeben, wurden die Gefolterten dabei häufig ‚springen gelassen‘, also aufgezogen und dann ruckartig fallengelassen und wieder hinaufgezogen. Auch Gewichte konnten zur Verschärfung dieser Folter verwendet werden. Die Opfer sind dabei extremen Schmerzen ausgesetzt, die Schultergelenke werden verrenkt und können auskugeln – dem Schreiber Israel wurden sie während der Folter am 11. November sogar wieder eingerenkt, damit er hebräische Formeln aufschreiben konnte.68 Das Nervengeflecht der Schultern (Plexus brachialis) wird bei der Strappado verletzt und das diese Nerven umgebende Muskelgewebe kann absterben, was zu einer Niereninsuffizienz und zum Tod führen kann. Die Überlebenden dieser auch heute noch gebräuchlichen Foltermethode bleiben ohne ausreichende Behandlung beeinträchtigt oder gelähmt.69 Zusätzlich zur Strappado wurden die Gefangenen auf vielfältige Weise gedemütigt und verletzt. Sie wurden nackt ausgezogen, ihnen wurde brennender Schwefel vor das Gesicht gehalten und sie mussten stundenlang in der Kälte ausharren. Eine Vernehmung am 28. Oktober 1475 musste sogar abgebrochen werden, „weil Gastaldionen [Unterrichter] und Zeugen erklärten, es sei ihnen auf Grund der Kälte unmöglich, der Tortur länger beizuwohnen.“70 Wie Marginalnotizen in den Büchern des Bischofs Hinderbach zeigen, war dieser auch an der Entwicklung eigenwilliger Foltermethoden beteiligt. Im Speculum historiale hatte er gelesen, dass die Heilige Luzia mit menschlichem Urin vor Verzauberung geschützt wurde. In einer Marginalie zu dieser Textstelle berichtet er, dass er dieses Mittel contra maleficia an der Jüdin Brunetta, der Frau des Samuel, erprobt habe. Nachdem diese bis dahin der Folter widerstanden und auch das Abrasieren sämtlicher Haare und das Besprengen mit Weihwasser nichts genützt habe, habe er sich der Wirkung des Urins erinnert und sie mit dem Urin eines jungfräulichen jungen Mannes waschen lassen, worauf Brunetta ihm alles gesagt habe, was sie zuvor bestritten habe (confiteri et dicere omnia que antea negaverat).71
Ziel der Folterverhöre war es, dass alle Angeklagten dieselbe Geschichte (histoire) erzählten, ohne dass es zu Wiedersprüchen kam. Wie Madga Teter betont, orientierten sich die Folterer dabei an der ersten schriftlich verfassten Verschwörungserzählung um Simon von Trient, dem auf den 4. April 1475 datierten Bericht des Arztes Johannes Matthias Tiberinus an den Senat seiner Heimatstadt Brescia, der schnell auch im Druck verbreitet wurde.72 Hier finden wir bereits alle wesentlichen Handlungselemente vom angeblichen Ritualmordgeschehen, die später auch in den Verhörprotokollen und in der Historie von Simon zu Trient wiederholt werden: Die Beratung der jüdischen Haushaltsvorstände zur Entführung eines kleinen Jungen, die Entführung des Simon durch Tobias in Samuels Haus, dessen Beschneidung, das Herausreißen und -schneiden von Fleischstücken mittels Zangen und Messern, das Auffangen des Blutes und das Aufstellen des Jungen in Kreuzposition, wobei Nadeln in dessen Kopf gestochen und ein pseudo-hebräischer Fluch gesprochen wurden, bevor er starb.73 Zu diesem Zeitpunkt hatte jedoch – trotz Folter – noch keiner der Verhörten die angeblich gemeinsam begangene Folterung und Ermordung Simons gestanden. Erst in den Protokollen der folgenden Verhöre finden wir nach und nach die Elemente aus der Erzählung des Tiberinus, die den Prozessführern nach Teter als Vorlage gedient habe.74
Allerdings ist die Datierung des Tiberinus-Briefes unsicher. In den Akten aus Brescia wird das Datum mit quinto decimo Kalendas Aprilis M° cccc° lxxquinto (18. März 1475) angegeben, was wohl ein Schreibfehler für quinto decimo Kalendas Maias, also den 17. April, ist. Ein Datum, das sich korrekt notiert (die XVII aprilis) auch in den Druckausgaben von Bartholomaeus Guldinbeck findet.75 Tiberinos Bericht könnte also – wovon Treue ausgeht76 – auch auf Basis der Verhörprotokolle entstanden sein. Teter diskutiert diese Datierungsproblematik, die ihrer Argumentation grundlegend entgegensteht, leider nicht.
Unabhängig von der Datierung von Tiberinos Ritualmordlegende wird in den Prozessakten jedoch sichtbar, dass die histoire der Erzählungen, die während der Verhöre produziert wurden, nicht von den Verhörten bestimmt wurde, sondern für die Verhörenden schon vorher feststand und die Befragung unter Folter so lange fortgesetzt wurde, bis eine dementsprechende Erzählung wiedergegeben wurde. Wie der Podestà und der Hauptmann dabei konkret vorgingen, können wir hier beispielhaft an den Protokollen der Vernehmung des Vitalis, Sohn des Seligman von Weißenburg und Diener in Samuels Haushalt, sehen. Ich zitiere dabei aus der deutschen Übersetzung der Akten des Prozesses gegen die Juden von Trient des Erhardus von Pappenheim nach der Handschrift aus dem Besitz des Grafen Eberhard im Bart von Württemberg (1445–1496), die sich heute im Yeshiva Mueseum in New York befindet.77
Bei der ersten Vernehmung am 29. März 1475 gab Vitalis an, er wisse nicht, wer das Kind getötet habe. Er vermute aber, nür der Schweiczer – so wurde der Mann der Hebamme Gelbgret genannt – hab es getan vnd danach das durch den graben vntz in Samuels haws gestaffen.78 Er glaube dies darmumb wann der Sweytzer sey dem Samuel veint,79 weil er nach der Geburt von Samuels Enkelkind mit diesem in Streit über die Entlohnung der Hebammendienste geraten sei. Als er diese Aussage tätigte, da sahen der Hauptmann vnd potestat, das er dy warhait nit hellen wolt80 und ließen ihn in die Folterkammer im Turm führen, ihn ausziehen, binden, aufziehen und springen. Weil er aber auch, nachdem man ihn ans Seil gebunden hatte, nicht dy warhait sagt, sondern bei seiner Aussage blieb, ließ man ihn schließlich ins Gefängnis abführen. Diese Folter wiederholte man mit dem gleichen Ergebnis am 3., 11. und 12. April. Auch am 13. April 1475 begann man wie die Tage zuvor:
[...] an der vorbemelten stat […] ward er vor dem hauptman durch den potestat gefragt wie uor. Er antwurt wie vor. Man fragt in nackaten vnd gepunten. Man zach in auff vnd fraget. Man gab im den swebel wie vor vnd fraget. Man henget vnd fraget. Man zach in auff vnd schlueg an das sayl vnd fraget. Auff all ander hier gemelt frag sprach er albeg wie vor, aber auff die nachsten sprach er, man sol hengen, er wolt sagen. Als man in het niderlassen, antwurt er wie vor. Er hets gesagt. Da zaiget man in die panck, von der thobian gesagt het, es wär die, auff der das kindel getött wär, darauff dann noch drey pluets trophen waren, vnd fragt in, ob er die nit kennet. Er antwurt: Ja, es wär die, dy in Samuels haws in der kamer vor der sinagog sey gestanden vnd auf der des Samuels weyber gesessen sein. Man fragt der warheit. Er antwurt, er west nichts anders. Man recket in auff vnd fraget. Man schlueg an vnd fraget. Er antwurt wie uor er west nichts. Man henget vnd bant einen stain an sein füez vnd zach auff vnd fraget. Er antwurt: last mich nyder, wann ich sag war. Man lies in nyder vnd fraget. Sein antwurt was gelich albeg als vor.81
Daraufhin versuchten die Folterer etwas Neues:
Man pant in auff vnd leget in an vnd stellet in daselbs in dem turn in ein almar [= Schrank] oder behalter vnder der stiegen. Vnd sperre die zue vnd pracht da den Israhel Samuels sun in den turn. Den fragt man da bey der almar, da der Vital inne was. Er solt die nennen, die gegenwürtig gewesen sein, da das kindel getött ward. Antwurt er die hyenach geschriben sind da gewesen: Samuel, Vital, Thobiam, Israhel vnd dye anderen etc. Den lies man da nit weyter reden vnd fuert in wider in väncknusz. Vnd namen den Vital aus der almar vnd fragt der warheit.82
Doch auch nachdem er nun Teile der Geschichte, die er erzählen sollte, aus Israels Mund vernommen hatte, hatte er noch genügend Kraft, sich zu weigern:
Er antwurt, der potestat solt ein benügen haben an dem, das Israhel gesagt het. Man fragt, was doch Israhel het verhollen. Er antwurt, er hets wol gehört. Der potestat sprach: „Was hat er gesagt?“ Man hiesz in pinden vnd auffziehen vnd fraget. Er pat sich nider zelassen, er wolt sagen. Man henget, er antwurt wie vor. Als man hinwider zach vnd fraget der warhait antwurt er, es wär noch nit zeit zesagen. Man fraget weil er hieng. Er antwurt wie uor. Man fragt wo das kindel getöt wär. Antwurt: In der kuchl. Man fraget wie ers west. Er antwurt da nichts, sunder mit stätten augen sach er den hauptman an vnd gab kain antwurt. Da zach man in auff vnd schlug das sayl. Dieweil man anschlug sprach er: „Last mich, wan ich wil die warheit sagen“. Er antwurt hienyden wie uor. Da zach man in wider auff mit dem vorigen stain an seinen fuez vnd fraget. Er antwurt: „Last mich, ich wil sagen.“ Man henget vnd pant ab den stain vnd fraget. Er antwurt: „Was sol ich sagen?“ Also hiess man den aufflösen vnd väncknüsz füern mit willen den wider zeuordern. 83
Erst nachdem Vitalis an den beiden Folgetagen, dem 14. und 15. April, ebenfalls gefoltert worden war, gestand er schließlich am 15. April die warhait,84 wie er sie im Schrank eingesperrt von Israel gehört hatte und so wie sie mit Tiberinos Bericht übereinstimmt.85 Auch am 18. und 21. April wurde er erneut gefoltert, um weitere Detailaussagen zu erpressen. Ein letztes Mal wurde er am 9. Juni, kurz vor Prozessende, aufgehangen, springen gelassen und verhört, um seine Geschichte an die der anderen Verhörten anzugleichen. Der Schreiber des Manuskripts hebt den entsprechenden Kommentar in Rot hervor: Hienach sagt er recht die warhait vnd gancz geleich mit den annderen.86 Er wurde nun so lange gefoltert, bis er angab, dass nicht nur die zuvor und von Tiberinus genannten, sondern alle Trienter Juden sowie deren Gäste an der Tat beteiligt gewesen seien. Am 14. Juni wurde er schließlich vor Gericht gestellt und als Mörder sowie Schänder und Feind Christi dazu verurteilt, aufs Rad gebunden und verbrannt zu werden. Am 22. Juni 1475 wurde Vitalis, der Sohn des Seligman aus Weißenburg, schließlich getötet. Er wurde auf das Rad gebunden – das Knochenbrechen und ins Rad Binden hat man sich gespart – und anschließend verbrannt.
Die Historie von Simon zu Trient als Verschwörungserzählung
Die Lektüre der Historie von Simon zu Trient als Verschwörungserzählung bietet eine neue Perspektive auf den Text. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Identitätsstiftung und Gruppenbildung durch den Text funktioniert. Die oben genannten Eigenschaften der Verschwörungserzählungen können uns dabei als Leitfaden dienen. Wir fragen daher zunächst nach dem Zielpublikum des Textes. An wen richtete sich der Text? Wer konnte ihn lesen? Und wer hat ihn nachweislich gelesen? Anschließend fragen wir nach den Protagonist*innen und den wichtigsten Handlungselementen: Wer sind die Verschwörer*innen und wie werden sie dargestellt? Welche Schadenshandlungen planen und führen sie aus? Gegen wen richten sich die Handlungen der Verschwörer*innen? Wer sind ihre Gegenspieler*innen? Werden die Verschwörer*innen bestraft? Und wie wird diese Bestrafung geschildert? Dabei achten wir auch auf die Emotionalisierung durch den Text. Welche Emotionen lösen die Schilderungen und Handlungen der Verschwörer*innen aus? Wie werden Angst, Ekel oder Hass ihnen gegenüber erzeugt? Wird eine entmenschlichende Sprache verwendet? Oder entmenschlichen sich die Protagonist*innen selbst durch ihre angeblichen Taten? Schließlich fragen wir nach dem Wahrheitsanspruch des Textes und dessen Wirkabsicht. Besteht ein Wahrheitsanspruch? Wenn ja, durch welche Mittel wird dieser unterstrichen? Wo liegen die Schwerpunkte des Textes? Welche Handlungen werden besonders ausführlich geschildert? Gibt es diskursive und/oder belehrende Passagen, und was wird darin erläutert? Welche Textaussagen werden multimodal, etwa durch Bilder oder Layoutstrategien, hervorgehoben? Welche Schwerpunkte lassen sich jenseits der Identitätsstiftung durch Ausgrenzung feststellen? Was sind die Aussageabsichten des Textes und dessen Intention?
Die Historie von Simon zu Trient ist eine quasi prototypische Verschwörungserzählung und ich möchte in diesem als Einleitung zur Edition gedachten Beitrag der Lektüre der Historie nicht vorweggreifen, indem ich den gesamten Text nach dem obengenannten Fragenkatalog durchmustere – eine inhaltliche Zusammenfassung bieten zudem auch die Beiträge von Reinardy und Heinrichs im Blog.87 Bereits am ersten Kapitel lassen sich jedoch die wichtigsten Texteigenschaften beispielhaft zeigen.
Zunächst zur Frage nach dem Zielpublikum der Historie und ihrem Wahrheitsanspruch. Die Historie wurde sicher für den Druck geschrieben und sehr wahrscheinlich im Auftrag des Bischofs Hinderbach oder dessen Umfelds. Der Text und sein Bildprogramm waren für ein über Trient hinausgehendes deutschsprachiges Publikum bestimmt. Der Text ist frühneuhochdeutsch mit eindeutig südbairischen Elementen. Er konnte mindestens im gesamten bairischen Sprachraum, und in diesem Raum im Gegensatz zu Tiberinos in humanistischem Latein verfassten Bericht, auch relativ schichtübergreifend – also nicht nur von Gelehrten – gelesen werden. Das Kolophon macht den Wahrheitsanspruch des als hystorie bezeichneten Textes explizit und nennt sowohl das gemeine volk von Trient als auch die gerichtspucher vnd -aufschribe als Quelle:
Dise aufgedrukchte geschrift vnd gemel ist vngeuerlichen beschehen von den auffdrugkeren vnd maleren in aller der masz, wie sie das lantmer weise vnde von dem gemainen volk in der stat zu Trient gesagt vnde geblaten ist worden, damit der warhait der hystorie nicht abgenemen noch verzigen als die in den gerichtspucheren vnd -aufschriben vermerket und aus geschriben ist, tar auff wir vns gancz setzen vnd disse vnser geschrifte vnd gemele schriben vnd verlassen. (Historie von Simon zu Trient, Bl. B6r)

Das erste Kapitel der Historie beschreibt die (angebliche) doppelte Verschwörung der Juden – nicht nur derjenigen in Trient, sondern auch des jüdischen Volkes an sich. Das Kapitel ist wie die übrigen in drei Artikel geteilt. Der erste behandelt die Frage, worvmb die juden also gijrick sin auff das Cristenblut (Historie von Simon zu Trient, Bl. A2r). Diese Gier gründe weder in körperlichen Bedürfnissen noch in jüdischen Gesetzen oder dem Talmud. Vielmehr habe ein Concilium der Juden in hyspanien ʒu Castel [= Kastilien] (Historie von Simon zu Trient, Bl. A2r) vor vierhundert Jahren beschlossen, als Maßnahme gegen das überhandnehmende große Christenvolk regelmäßig Christenblut zu vergießen und dieses zu verzehren. Gott sei dabei ein unschuldiges Christenkind genehmer als ein alter Christ. Schon in den ersten Sätzen sind also die Gruppe der Anderen (die ‚Juden‘) und die Wir-Gruppe (die ‚Christen‘) klar benannt, ebenso die Schadensabsicht der Anderen und deren heimliche Verabredung. Der zweite Artikel bindet diese übergeordnete Verschwörung lokal ein, präsentiert also die Ereignisverschwörung als Teil einer systemischen Verschwörung.88 Hier wird berichtet, der Jude Angel habe vor einer sich gesondert treffenden Gruppe von Trienter Juden festgestellt, dass es ihnen zum Pesachfest an Christenblut mangele, woraufhin die Gruppe den fremden Juden Lazarus dazu aufgefordert habe, ihnen ein Christenkind bringen, was dieser aber abschlug. Dabei verweist der Text auf das zugehörige Bild, das die neun lokalen Verschwörer zeigen soll (siehe Abb. 3). Der Holzschnitt zeigt neun Männer mit Judenhüten in einer durch einen Altar markierten Synagoge. Die Judenhüte sind mit den Namen der männlichen Juden der Trienter Gemeinde beschriftet. Zwischen den sich Besprechenden steht ein Lamm, das auf das christliche Opfer vorausweist. Das Bild des Lammes stammt aus dem dritten Artikel des Kapitels, in dem behauptet wird, dass diese Kindesentführungen vor allem in der Karwoche ausgeführt würden, um Christus – das Lamm Gottes – und sein Leiden zu verspotten. Das Kind werde deshalb in creucz weisz (Historie von Simon zu Trient, Bl. A2r), in einer Kreuzeshaltung, getötet. Auch der zeitliche Ablauf entspräche dabei dem der Leiden Christi: Wer auch mercken wil der sicht wol, das [das] liebe kint gemartert iſt in aller maſʒ der cʒeit ſtund vnd tagen alſo vnſer her iheſus gemartert iſt worden (Historie von Simon zu Trient, Bl. A2r). Die Historie parallelisiert also bewusst und überdeutlich das Leiden Christi und das des Simon. Dieser wird dadurch zum Opferlamm und alter christus, zum Christusnachfolger, was seinen Status als Märtyrer unterstreichen soll. Hier wird die zweite Intention des Textes deutlich, die Verherrlichung und Heiligsprechung des Simon und die Etablierung seines Kultes. Gleichzeitig untermauert diese Parallelisierung aber auch den Wahrheitsanspruch des Textes; folgen die Ereignisse der Handlung doch genau dem biblischen Plan.
Nachdem im ersten Kapitel die Verschwörungshandlung im Mittelpunkt steht, geht es in den folgenden Kapiteln vor allem um die Schädigungshandlungen der Juden, also die Qualen des kleinen Simon, aber auch die hebräischen Flüche gegen die gesamte Christenheit und die Bestrafung der Täter, während die Aufdeckung und der Prozess, also das obrigkeitliche Handeln, kaum eine Rolle spielen. Besonders die Bilder konzentrieren sich dabei auf die Gewaltszenen und leisten somit einen wesentlichen Beitrag zur Entmenschlichung der Protagonist*innen und Emotionalisierung der Leser*innen. Jenseits der Ereignishandlung nehmen aber auch die Parallelsetzungen zur Passion Christi und schließlich die Wunderwirkung Simons erheblichen Raum ein.
Der Druck der Historie von Simon zu Trient
Die Historie von Simon zu Trient wurde nach Auskunft des Kolophons am 6. September 1475 von Albrecht Kunne in Trient gedruckt.89 Von dem Druck sind drei Exemplare erhalten, die in der Bayerischen Staatsbibliothek München,90 der Universitätsbibliothek München91 und der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel92 aufbewahrt werden. Zudem sind drei Druckabschriften bekannt.93 Während nur von einem Druckexemplar die Provenienz bekannt ist – das heute in der Münchner Staatsbibliothek aufbewahrte Exemplar stammt aus dem Benediktinerkloster Tegernsee – verraten die Handschriften mehr über die geographische Verbreitung des Textes und das Sammlungsinteresse der Rezipient*innen (siehe Abb. 4).
Zwei der drei Handschriften stammen ebenfalls aus bayerischen Klöstern. Im Zisterzienserkloster Alderbach wurde eine Druckabschrift der Historie mit einem Lateinischen Druck des Berichtes des Tiberinus und weiteren thematisch nicht verwandten Texten zusammengebunden.94 Im Dominikanerinnenkloster Altenhohenau wurde der gesamte Text der Historie in die Legendensammlung Der Heiligen Leben integriert.95 Eine dritte Abschrift wurde im nordbairisch-ostfränkischen Sprachgebiet, also in Nürnberg oder Umgebung, geschrieben. Die Handschrift ist eine judenfeindliche Textsammlung von einer Hand, die neben der Historie auch die Bewährung, dass die Juden irren und Irmhart Ösers Epistel des Rabbi Samuel an Rabbi Isaac enthält.96 Die in Trient gedruckte Historie von Simon zu Trient scheint demnach vor allem im bairischen Sprachraum verbreitet worden zu sein.
Die Historie von Simon zu Trient war Albrecht Kunnes erster bekannter Druck, und der Judenprozess wahrscheinlich der Hauptgrund, warum er nach Trient geholt worden war. Vier der neun bekannten Trienter Drucke Kunnes widmen sich diesem Themenkomplex. Zusätzlich zur Historie druckte er auch einen lateinischen Einblattdruck, in dem Simon selbst sein Leid schildert,100 eine theologische Argumentation für die Seligsprechung Simons des Augustinereremiten Silvester de Balneoregio101 sowie eine Ausgabe der gesammelten Schriften des Johannes Matthias Tiberinus.102 Über Kunnes vorangehende Ausbildung zum Drucker haben wir keine sicheren Informationen.103 In Trient druckte er nur ca. zwei Jahre lang. Danach wanderte er ab und war von 1479 bis 1520 in Memmingen aktiv.104 Einige typographische Besonderheiten des Historie-Druckes zeigen allerdings, dass er auf das Trienter Vorhaben nicht perfekt vorbereitet war und unter Zeitdruck tätig wurde. Kunne wählte ein Folioformat für die Historie, wohl um die Abbildungen möglichst groß gestalten zu können. Die Seiten sind ca. 28 × 20,5 cm groß. Die Größe der Holzschnitte schwankt zwischen ca. 17 × 13 cm (Holzschnitt 1) bis zu 20 × 15,5 cm (Holzschnitt 3). Die von Kunne verwendete Schrifttype – er hatte offensichtlich nur eine einzige zur Verfügung – erscheint für ein solches Format allerdings viel zu klein. Die 11,6 cm breiten Textfelder mit schwankender Zeilenzahl sind deutlich schmaler und niedriger als die ihnen gegenüberliegenden Bildfelder (13–15,5 cm breit). Der Text ist einspaltig gesetzt und die Zeilen sind dadurch überlang und mit dem Auge schlecht zu erfassen. Kunnes Setzkasten scheint zudem 1475 nicht für deutschsprachige, sondern lediglich für lateinische Texte ausgelegt gewesen zu sein.105 Er enthielt zum Beispiel überhaupt keine Zeichen zur Wiedergabe von Diphthongen oder Umlauten, die deshalb durchweg unmarkiert blieben. Außerdem hatte er viel zu wenige Typen des Buchstaben k zur Verfügung, weshalb er stattdessen regelmäßig eine Kombination aus l und ꝛ (Rotunda-r) setzte. Häufige Satzfehler (n für u, h für b etc.) deuten zudem auf geringe Sorgfalt und/oder hohes Arbeitstempo des Setzers.
Zur Einrichtung der digitalen Edition
Die hier vorgelegte digitale Edition basiert auf einer zeichengetreuen diplomatischen Transkription, die den „Richtlinien zur Transkription“ des Deutschen Textarchiv Basisformats folgt. In der Textpräsentation lassen sich zudem drei verschiedene Darstellungsmodi auswählen. Über den Button ‚Abbreviationen‘ lassen sich die Abkürzungen auflösen. Mit dem Button ‚Normalisierung‘ lässt sich die Zeichennormalisierung einschalten. Dann wird die s/ſ- und r/ꝛ-Schreibung normalisiert und ʒ wird als z angezeigt. Außerdem werden die mit der Typenkombination lꝛ gedruckten k als k wiedergegeben und die nicht wenigen offensichtlichen Fehler des Setzers (Buchstabenvertauschungen) und Rubrikators korrigiert. Mit dem Button ‚Zeilenumbruch‘ kann zwischen einer nach Kapiteln, Überschriften und Artikeln gegliederten Ansicht und einer mit den originalen Zeilenumbrüchen ausgewählt werden.
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Als Grundlage der Edition dient das Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek München, dessen Digitalisat parallel zum Text angezeigt wird.106 Hier kann über einen Button zwischen einem automatischen und einem manuellen Bildlauf ausgewählt werden. Der eingebundene Mirador-Viewer erlaubt zudem einen Wechsel zwischen einseitiger und zweiseitiger Ansicht, sodass sich auch der Text und das dazugehörige Bild gleichzeitig anzeigen lassen.
Personennamen und Datumsangaben sind ausgezeichnet und die normalisierten Angaben zu diesen werden als Mouseover angezeigt. Die hinterlegten Normdaten sind verlinkt. Ein kulturhistorisch erläuternder Stellenkommentar wäre dringend notwendig, muss vorerst aber ein Desiderat bleiben. Künftige (vielleicht auch studentische) Initiativen dazu würden wir aber gerne unterstützen und integrieren. Alle der digitalen Edition zugrundeliegenden Daten können unter freier Lizenz auf dem GitHub-Repositorium und Zenodo heruntergeladen und nachgenutzt werden.107
Bibliographie
Handschriften
New York, Yeshiva University Museum, Ms. 1988.001
Digitalisat:
https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE1175659
.
Trient, Staatsarchiv, APV, SL Capsa 69 Nr. 1a
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 4358
Handschriftencensus:
https://handschriftencensus.de/2380
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 1109
Handschriftencensus:
https://handschriftencensus.de/9988
Digitalisat:
https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00035397-0
Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen
245
Handschriftencensus:
https://handschriftencensus.de/5045
Digitalisat:
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:31-66359
Frühe Drucke
Historie von Simon zu Trient, Trient 06.09.1475:
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ISTC is00528800:
https://data.cerl.org/istc/is00528800
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- München, Staatsbibliothek, 2 Inc.s.a.
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INKA 24004609, http://www.inka.uni-tuebingen.de/?inka=24004609
Digitalisat: https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00027835-3
- München, Universitätsbibliothek, 2 Inc. germ. 23
INKA 26002626, http://www.inka.uni-tuebingen.de/?26002626
Digitalisat: https://doi.org/10.5282/ubm/digi.7668
- Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, 5 Xylogr. (2)
INKA 36002509, http://www.inka.uni-tuebingen.de/?36002509
Digitalisat: http://diglib.hab.de/inkunabeln/5-xylogr/start.htm?image=00097
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ISTC it00484500:
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Johannes Matthias Tiberinus, De Simone puero
tridentino. Mit Beig. von Raphael Zovenzonius und Johannes Hinderbach,
[Venedig 1475]: Nicolaus Jenson.
ISTC it00485500:
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https://data.cerl.org/istc/it00485000
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https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M47700.htm
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(Exemplar: München, Staatsbibliothek, Rar. 337)
Johannes Matthias Tiberinus, De Simone puero
tridentino, deutsch. [Nürnberg: Friedrich Creussner, nach April 1475].
ISTC it00489100:
https://data.cerl.org/istc/it00489100
GW M47725:
https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M47725.htm
Digitalisat:
https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00034023-6
(Exemplar: München, Staatsbibliothek, Rar. 338)
Holzschnitt-Einblattdruck (Schreiber Nr. 1967): Die
Marter des sel. Simon, [Nürnberg(?): Friedrich Creussner(?), um 1475–1477],
275x395 mm.
Digitalisat:
https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00032155?page=16
(Exemplar: München, Staatsbibliothek, Signatur: Rar. 307)
Holzschnitt-Einblattdruck (Schreiber Nr. 5258a):
Nürnberger Simon-Gedicht: Da tausent virhundert funfundsibentzig jar. Nach
cristi gepurt die iarzal war [...]. [Nürnberg, nach 1475].
Digitalisat:
https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00099842-4
(Exemplar: München, Staatsbibliothek, Rar. 338)
Hartman Schedel,
Welchronik, Nürnberg 23.12.1493: Anton Koberger für Sebald Schreyer und
Sebastian Kammermeister.
ISTC is00309000:
https://data.cerl.org/istc/is00309000
GW M40796:
https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M40796.htm
Digitalisat:
https://doi.org/10.3931/e-rara-74200
(Exemplar: Basel, Universitätsbibliothek, UBH EA I 12)
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Franz Josef Worstbrock, Art. „Simon von Trient“, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 8, Berlin u.a. 1992, Sp. 1260–1275 und 11, 2004, Sp. 1435f.
Katharina Zeppezauer-Wachauer und Marco Heiles, Eine digitale Textreihentypologie für deutschsprachige Texte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Showcase eines kontrollierten Vokabulars in SKOS, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 6 (2023), S. 6–39, hier S. 13–16, DOI: https://doi.org/10.26012/mittelalter-30680 .
Anmerkungen
- Historie von Simon zu Trient. Trient 6. September 1475: Albrecht Kunne, ISTC is00528800: https://data.cerl.org/istc/is00528800 , GW M42239: https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M42239.htm . Edition: Historie von Simon zu Trient, Digitale Edition, hrsg. von Marco Heiles und Michael Schonhardt, Darmstadt 2025, https://dekm-tud.github.io/Historie-von-Simon-zu-Trient/. Der Text ist auch als Geschichte des zu Trient ermordeten Christenkindes bekannt. Vgl. etwa die qualitativ schlechte Faksimileedition in: Lamberto Donati, L’inizio della stampa a Trente ed il Beato Simone, Trient 1952. Das Verfasserlexikon bezeichnet den Text als Hystorie von 1475, vgl. Franz Josef Worstbrock, Art. „Simon von Trient“, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon 8, Berlin/New York 1992, Sp. 1260–1275, und Verfasserlexikon 11, Berlin/New York 2004, Sp. 1435f., hier VL 8, Sp. 1272f.↩︎
- Als Heilige wurden in der christlichen Kirche seit der Antike Menschen verehrt, die aufgrund ihres Glaubensbekenntnisses als Märtyrer gestorben waren oder sich durch eine besonders tugendhafte Lebensführung ausgezeichnet hatten. Nach dem Tode gewirkte Wunder galten als Zeichen dieser Heiligkeit. Offiziellen Status erhielt der Kult eines Heiligen zunächst durch die Anerkennung des örtlichen Bischofs und seit dem 12./13. Jahrhundert durch den Papst. Im Laufe des Hochmittelalters entwickelte sich eine Unterscheidung zwischen Seligen, deren Kult vom örtlichen Bischof anerkannt wurde, und Heiligen, deren Kult päpstlich und gesamtkirchlich anerkannt wurde. Der Trienter Bischof Johannes Hinderbach ließ Simon nach Bekanntwerden dessen Todes als Beatus Simon (seligen Simon) verehren und bemühte sich zudem um eine päpstliche Anerkennung des Simon-Kultes und dessen Heiligsprechung. Dazu dienten die Prozessakten, die zeigen sollten, dass Simon aufgrund seines Glaubens getötet wurde, ebenso wie das notariell angelegte Verzeichnis der von Simon nach seinem Tod bewirkten Wunder und die zahlreichen Propagandaschriften. Trotz dieser Bemühungen erkannten der Papst Sixtus IV. (1414–1484) und seine Nachfolger zunächst Simon nicht als Heiligen an. Erst 1584 wurde Simon unter dem Pontifikat Gregors XIII. (1502–1585) in das Martyrologium Romanum eingetragen und erst 1588 erteilte Papst Sixtus V. (1521–1590) eine offizielle Kulterlaubnis für die Diözese Trient. Dort wurde das Fest des ‚seligen Simon‘ bis in die 1960er Jahre hinein am Todestag Simons, dem 24. März, begangen. 1965 wurde der Simon-Kult durch die vatikanische Ritenkongregation abgeschafft, weil der zuständige Gutachter erkannte, dass der Prozess gegen die Juden Trients manipuliert worden war und er ausschließen konnte, dass Simon von diesen ermordet worden war. Vgl. Winfried Schulz, Art. „Heiligsprechung“, in: Lexikon für Theologie und Kirche 4, Freiburg u.a. 31995, Sp. 1328–1331; Wolfgang Treue, Der Trienter Judenprozeß. Voraussetzungen, Abläufe, Auswirkungen (1475–1588), Hannover 1996, S. 14, 487–491, https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:hbz:385-10319 . ↩︎
- Die Historie und die weiteren vom Bischof Hinderbach und seinem Umfeld initiierten Publikationen erfüllen die klassischen Merkmale der Propaganda, wie die „einseitige und durch kein Kontrollorgan überprüfbare Verwertung von Daten [hier unter anderem den Protokollen der Folterverhöre] und deren Wahrheitsgehalt sowie die keiner direkten Analyse zugängliche, willkürliche Verknüpfung von Absicht und Wirkung“, sie wollen „manipulieren“ und „eine herrschende Meinung wirksam [...] verbreiten“. Zitate: Alexander Kirchner and Sabine Doering-Manteuffel, Art. „Propaganda“, in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik Online, https://doi.org/10.1515/hwro.7.propaganda . ↩︎
- Vgl. Marco Heiles, Verschwörungserzählungen im Spätmittelalter und heute. Seminarprogramm und Literaturliste, Aachen 8. November 2023, https://doi.org/10.17613/nhaa-wn64 . ↩︎
- Transkribus. KI-gestützte Handschriftenerkennung, https://readcoop.eu/de/transkribus/. Die Transkription erfolgte zuerst durch das Model "Transkribus Print M1" (39995) und wurde dann von Marco Heiles korrigiert. Die diplomatische Transkription folgt dabei den „Richtlinien zur Transkription“ des Deutschen Textarchiv Basisformats: https://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat/transkription.html. ↩︎
- Marco Heiles, Die Historie von Simon zu Trient – eine judenfeindliche Verschwörungserzählung aus dem Jahre 1475, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 9 (2026), S. 28–67, https://mittelalter.hypotheses.org/38991. Diese ausführlichere Version ist im Wesentlichen textgleich. Sie enthält allerdings weitere Informationen zum Programm des Master-Seminars und einen ausführlichen Exkurs zu QAnon und Verschwörungserzählungen heute. Außerdem sind dort die Abbildungen direkt in den Text eingebunden.↩︎
- Kevin Reinardy stellt in seinem Beitrag verschiedenen Definitionen, Funktionen und Typen von Verschwörungstheorien vor und ordnet die Historie von Simon zu Trient darin ein. Hannah Heinrichs betrachtet das Zusammenspiel von Text und Bild in der Historie und legt dar, wie diese genutzt wurden, um den Wahrheitsanspruch des Textes zu unterstützen, ein jüdisches Feindbild aufzubauen und Simon als Märtyrer zu etablieren. Tobias Esser schließlich konzentriert sich auf ein Bild der Holzschnittserie des Druckes, der den angeblichen Verzehr des Blutes Simons durch die jüdische Gemeinde darstellt und zeigt, wie dieses Bild die christliche Abendmahlsikonographie aufgreift, um die Juden bei einem rituellen ‚Anti-Abendmahl‘ zu präsentieren, dass den christlichen Ritus pervertiert und verspottet. Vgl. Kevin Reinardy, Kein Märtyrer ohne Ritualmord. Die Historie von Simon zu Trient als Verschwörungstheorie?, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 9 (2026), S. 68–83, https://mittelalter.hypotheses.org/39019; Hannah Heinrichs, Zwischen Märtyrerkult und antijüdischen Feindbildern. Eine Untersuchung des Ritualmordkonstruks in Text und Bild der Historie von Simon zu Trient, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 9 (2026), S. 84–112, https://mittelalter.hypotheses.org/38999; Tobias Esser, Judenfeindliche Ikonographie – Verwendung und Umkehr christlicher Abendmahlmotivik in Text und Bild der Historie von Simon zu Trient, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 9 (2026), S. 113–128, https://mittelalter.hypotheses.org/39010.↩︎
- Einzelne Belege gibt es für die Jahre 2001, 2015 und 2019. Vgl. DWDS-Wortverlaufskurve für „Verschwörungserzählung“, erstellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, Link zur Graphik im DWDS↩︎
- Vgl. etwa: Verschwörungserzählungen, hrsg. von Brigitte Frizzoni, Würzburg 2022; Katharina Nocun und Pia Lamberty, True facts. Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft, Köln 2021.↩︎
- Art. „Verschwörungserzählung“, in: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, https://www.dwds.de/wb/Verschw%C3%B6rungserz%C3%A4hlung .↩︎
- N.N., Art. „Verschwörungstheorie“, in: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, https://www.dwds.de/wb/Verschw%C3%B6rungstheorie .↩︎
- Vgl. auch Thomas Niehr, Argumentation und Narration in verschwörungstheoretischen YouTube-Videos, in: LiLi. Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 51 (2021), S. 299–320, hier S. 303, DOI: https://www.doi.org/10.1007/s41244-021-00203-5 : „Weiterhin ergibt sich aus dem bisher Gesagten, dass Verschwörungstheorien versprachlicht werden müssen, um einen intersubjektiven Geltungsanspruch zu erheben. Sie treten üblicherweise in Form einer Erzählung, einer Narration auf, deren Funktion darin besteht, die behauptete Verschwörung zu plausibilisieren. Nicht nur aus diesem Grunde wird im Folgenden der gängige Ausdruck Verschwörungstheorie mehrfach durch Verschwörungserzählung ersetzt.“↩︎
- Carolin Mischer, Verschwörungstheorien. Die Theorie hinter der Theorie, in: Verschwörungstheorien – früher und heute. Begleitbuch zur Sonderausstellung der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur vom 18. Mai 2019 bis 22. März 2020, hrsg. von der Stiftung Kloster Dalheim. Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung (Schriftenreihe 10495), Bonn 2020 [erstmals erschienen Münster 2019], S. 10–18, hier S. 10.↩︎
- Vgl. zusammenfassend ebd. Zur älteren Begriffsgeschichte, die bereits im 19. Jahrhundert mit der Verwendung als Pejorativum einsetzt, vgl. John David Seidler, Die Verschwörung der Massenmedien. Eine Kulturgeschichte vom Buchhändler-Komplott bis zur Lügenpresse, Bielefeld 2016, S. 27–32. Für die Seminardiskussion als besonders fruchtbar erwies sich zudem die von Achim Pfahl-Traughber vorgeschlagene Differenzierung zwischen Verschwörungshypothesen, Verschwörungsideologien und Verschwörungsmythen. Vgl. Armin Pfahl-Traughber, Bausteine zu einer Theorie über „Verschwörungstheorien“. Definition, Erscheinungsformen, Funktionen und Ursachen, in: Verschwörungstheorien. Theorie – Geschichte – Wirkung, hrsg. von Helmut Reinalter, Innsbruck 2002, S. 30–44.↩︎
- Vgl. Seidler, Verschwörung der Massenmedien (wie Anm. 14), S. 32–40; David Kelman, Counterfeit politics: Secret plots and conspiracy narratives in the Americas, Lanham, MD 2012, S. 17–48.↩︎
- Vgl. zum Begriff der Textreihe ausführlich: Katharina Zeppezauer-Wachauer und Marco Heiles, Eine digitale Textreihentypologie für deutschsprachige Texte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Showcase eines kontrollierten Vokabulars in SKOS, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 6 (2023), S. 6–39, hier S. 13–16, DOI: https://doi.org/10.26012/mittelalter-30680 . ↩︎
- Vgl. ebd., S. 15 mit Anm. 22; Vgl. zum prototypischen Gattungsmodell: Raffaela Kessel, Die Motive der galloromanischen Pastourellentradition in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters (Deutsche Literatur. Studien und Quellen 38), Berlin/Boston 2021, S. 61–77; Jan Mohr, Textreihe und Gattungsstrukturen. Zur Tageliedrezeption in Hugos von Montfort cpg 329, in: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 138 (2016), S. 76–106; Joachim Hamm, Ain tagweis. Überlegungen zu einem prototypentheoretischen Beschreibungsmodell des spätmittelalterlichen Tageliedes, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 247 (2010), S. 266–283.↩︎
- Vgl. auch Lisa Lampert-Wiessig, The Wasps’s Nest: Antisemitism, Conspiracy Theory, and The Prioress’s Tale, in: Studies in the Age of Chaucer 43 (2021), S. 111–149, hier S. 115: „[...] conspiracy theories are narratives and these plots about plottig share an ‘anatomy’. They require secret conspirators who plan their deeds in a clandestine way. These conspirators share a nefarious common goal, which they pursue, also on a hidden way.” ↩︎
- Vgl. ebd., S. 123–125.↩︎
- Dieser Anspruch schließt wie bei anderen faktualen Erzählungen „Fiktionalisierungen“ wie „erfundene Dialoge und Gedankenfolgen“ nicht aus. Der Wahrheitsanspruch der Texte betrifft deren Grundaussagen, nicht die erzählerischen Details. Vgl. mit diesem Zitat: Monika Fludernik, Nicole Falkenhayner und Julia Steiner, Einleitung, in: Faktuales und Fiktionales Erzählen. Interdisziplinäre Perspektiven, hrsg. von Monika Fludernik, Nicole Falkenhayner und Julia Steiner (Faktuales und fiktionales Erzählen. Schriftenreihe des Graduiertenkollegs 1767, 1), Würzburg 2015, S. 7–22, hier S. 11, https://doi.org/10.5771/9783956509308-7 . Die Unterscheidung von faktualen und fiktionalen Erzählungen ist aber nicht immer eindeutig. Neben der Text- oder Autor*innenintention hängt diese – wie das Beispiel der „Protokolle der Weisen von Zion zeigt“ – auch von der Wahrnehmung der Rezipient*innen ab: „While it is common knowledge that one of the most notorious conspiracy texts of all times, The Protocols of the Elders of Zion, is a forgery, it is less well-known that the text is in large parts a plagiarism of a nineteenth-century German novel (Hagemeister, Horn 2012). Moreover, scholars cannot entirely rule out the possibility that the Protocols was originally intended as a satire of anti-Jesuit conspiracy theories, and thus clearly as fiction (Gregory 2012).“ Michael Butter und Peter Knight, Conspiracy theory in historical, cultural and literary studies, in: Routledge Handbook of Conspiracy Theories, hrsg. von Michael Butter und Peter Knight, London/New York, NY 2020, S. 28–42, hier S. 39. Das Zitat verweist auf: Michael Hagemeister und Eva Horn, Ein Stoff für Bestseller, in: Die Fiktion von der jüdischen Weltverschwörung. Zu Text und Kontext der „Protokolle der Weisen von Zion“, hrsg. von Dens., Göttingen 2012, S. VII–XXII; Stephan Gregory, Die Fabrik der Fiktionen: Verschwörungsproduktionen um 1800, in: ebd., S. 51–75. Vgl. auch Umberto Eco, Fiktive Protokolle, in: Ders., Verschwörungen. Eine Suche nach Mustern. Aus dem Italienischen von Martina Kempter und Burkhart Kroeber. München 2021, S. 35–69.↩︎
- Vgl. Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 392–436, bes. S. 397.↩︎
- Vgl. dazu beispielsweise Gerd Schwerhoff, Vormoderner Hexenglaube als Verschwörungstheorie? Vom (gegenseitigen) Nutzen eines Konzeptes, in: Kliotop (10. November 2025), https://doi.org/10.58079/154l8 ; Werner Tschacher, Das Hexereistereotyp als Verschwörungstheorie und das Problem der Epochengrenzen, in: Von Hinterzimmern und geheimen Machenschaften. Verschwörungstheorien in Geschichte und Gegenwart, hrsg. von Johannes Kuber [u.a.]. Stuttgart 2020, S. 39–58, https://imdialog.akademie-rs.de/ojs/index.php/idadrs/issue/view/25 ; Wolfgang Behringer, Detecting the Ultimate Conspiracy, or how Waldensians became Witches, in: Conspiracies and conspiracy theory in Early Modern Europe: from the Waldensians to the French Revolution, hrsg. von Barry Coward, Aldershot 2004, S. 13–34.↩︎
- Michel Foulcault, Archäologie des Wissens, übersetzt von Ulrich Köppen, Frankfurt am Main 1973, S. 74.↩︎
- Edition: Thomas Monumetensis, The Life and Miracles of St William of Norwich, hrsg. von Augustus Jessopp und Montague Rhodes James, London 1896, https://archive.org/details/lifemiraclesofst00thomuoft . Aktuelle Übersetzung: Thomas Monumetensis, The Life and Passion of William of Norwich, translated and edited by Miri Rubin, London 2014. Vgl. zur Datierung: Johan M. McCulloh, Jewish Ritual Murder: William of Norwich, Thomas of Monmouth, and the Early Dissemination of the Myth, in: Speculum 72 (1997), S. 698–740.↩︎
- Vgl. zur Vita als „conspiracy narrative“: Johannes Heil, Thomas of Monmouth and the Protocols of the Sages of Narbonne, in: The Paranoid Apocalypse. A Hundred-Year Retrospective on The Protocols of the Elders of Zion, hrsg. von Steven T. Katz (Elie Wiesel Center for Judaic Studies Series 3), New York 2011, S. 56–76. Vgl. zu den Parallelen dieser und vieler späterer Erzählungen über „ritual cruxifixions“ zur Passionsgeschichte (mit älterer Literatur): Magda Teter, Blood Libel. On the Trail of an Antisemitic Myth, Cambridge, MA/London 2020, S. 18–23; Lampert-Weissig, The Wasps‘ Nest (wie Anm. 18), S. 117f.↩︎
- Vgl. dazu den Exkurs zu QAnon in der ausführliche Version dieser Einleitung: Heiles, Die Historie von Simon zu Trient (wie Anm. 6), S. 37–41.↩︎
- Marco Heiles unter Mitarbeit von Sophie Elisabeth Grimm, Historie von Simon zu Trient. Forschungsbibliographie, in: Zotero 2013–2024, https://www.zotero.org/groups/5071036/historie_von_simon_zu_trient. ↩︎
- Ronnie Po-Chia Hsia, Trent 1475. Stories of a ritual murder trial, New Haven 1992.↩︎
- Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2).↩︎
- Teter, Blood Libel (wie Anm. 25).↩︎
- Ronnie Po-Chia Hsia, Trient 1475. Geschichte eines Rituamordprozesses, Frankfurt a. M. 1997.↩︎
- Processi contro gli Ebrei di Trento (1475–1478). Bd. 1. I processi del 1475, hrsg. von Anna Esposito und Diego Quaglioni. Padova 1990; Processi contro gli Ebrei di Trento (1475–1478). Bd. 2. I processi alle donne (1475–1476), hrsg. von Anna Esposito und Diego Quaglioni, Padova 2008.↩︎
- Frank Hamster, Primärliteratur zu Simon von Trient: Drucke und Handschriften von 1475 bis 1500 mit Standortnachweisen, in: Per Padre Frumenzio Ghetta. Scritti di storia e cultura ladina, trentina, tirolese e nota bio-bibliografica. In occasione del settantesimo compleanno, hrsg. von der Biblioteca comunale di Trento e dell’Istitut cultural ladin ‘Majon di Fashegn’ Vich/Vigo di Fassa, Trient 1991, S. 307–334; Stephen D. Bowd, Tales from Trent. The construction of “Saint” Simon in manuscript and print, 1475–1511, in: The Saint Between Manuscript and Print. Italy, 1400–1600, hrsg. von Alison Knowles Frazier (CRRS Essays and Studies 37), Toronto 2015, S. 183–218.↩︎
- L’invencione del colpevole. Il ‘caso’ di Simonino da Trento dalla propaganda alla storia, hrsg. von Domenica Primerano [u.a.], Trient 2019. ↩︎
- Vgl. Worstbrock, Art. „Simon von Trient“ (wie Anm. 1).↩︎
- Vgl. Christoph Fasbender, Art. „Simon von Trient“, in: Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter 3, Berlin/Boston 2012, Sp. 862–868.↩︎
- Vgl. Nicole Spengler, das ein sihm leiden gheglicht ist der marter vnsers heren. Legendenbildung um Simon von Trient – ein Ritualmordkonstrukt, in: Juden in der deutschen Literatur des Mittelalters. Religiöse Konzepte – Feindbilder – Rechtfertigungen, hrsg. von Ursula Schulze, Tübingen 2002, S. 211–232; Julia Frick, ‚Alternative Fakten‘. Narrativierung von Vergangenheit am Beispiel des Trienter Judenprozesses (1475), in: Geschichte erzählen: Strategien der Narrativierung von Vergangenheit im Mittelalter. XXV. Anglo-German Colloquium, Manchester 2017, hrsg. von Sarah Bowden [u.a.], Tübingen 2020, S. 379–403; Julia Frick, Trient 1475. Die Stadt als Projektionsraum literarisch konstruierter Geschichte, in: Die Stadt in Literatur und Kunst – Kunst und Literatur in der Stadt. Akteure – Konzepte – Interaktionen, hrsg. von Bernd Bastert und Ingrid Bennewitz (Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft 25), Wiesbaden 2025, S. 243–261. Im letztgenannten Beitrag behauptet Frick, die Historie sei „im süddeutschen Raum mehrfach wiederaufgelegt“ worden (S. 251, ähnlich S. 256 „zahlreiche Neuauflagen im süddeutschen Raum“). Diese Behauptung ist falsch. Es sind keine Nachdrucke, sondern nur Abschriften des Textes bekannt.↩︎
- Theresa Astleithner, Die Historie von Simon von Trient – antijudaistische „Fake News“ im späten 15. Jahrhundert, in: historioPLUS 8 (2021), S. 1–32, http://www.historioplus.at/?p=1330 . ↩︎
- Vgl. David S. Areford, The Viewer and the Printed Image in Late Medieval Europe, Farnham 2010, S. 168–183; Vinícius de Freitas Morais, O ciclo iconográfico do beato Simão de Trento e a difusão do culto ao menino mártir no final do século XV, in: XII Encontro Internacional de Estudos Medievais, III: Seminario Internacional sobre Hagiografia Medieval = Anais do Encontros Internacionais de Estudos Medievais 3,1 (2019) S. 109–120. ↩︎
- Emanuela Trevisan Semi, Gli Haruge trient (gli assassinati di Trento) e lo herem di Trento nella tradizione ebraica, in: Il principe vescovo Johannes Hinderbach (1465–1486) fra tardo Medioevo e Umanesimo. Atti del Convegno promosso dalla Biblioteca Comunale di Trento, 2–6 ottobre 1989, hrsg. von Rogger Igino und Marco Bellabarba, Bologna 1992, S. 407–416.↩︎
- Vgl. ebd., S. 408; Emanuela Trevisan Semi, La “Qinah ʻal haruge Ṭrienṭ” tra letteratura e storia dell'ebraismo, in Henoch 11 (1989), S. 51–66.↩︎
- Der Text ist lediglich in einem Ausstellungskatalog erschienen, der nur in einzelnen deutschen Bibliotheken verfügbar ist: Medieval Justice. The Trial of the Jews of Trent. New York, NY 1989, Rückendeckel, und jetzt auch im Internet Archive abrufbar: https://archive.org/details/kinah2/ . ↩︎
- Vgl. Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 56 mit Anm. 19.↩︎
- Vgl. ebd., S. 62.↩︎
- Ebd., S. 65.↩︎
- Ebd., S. 55f.↩︎
- Bei der Darstellung der jüdischen Gemeinde folge ich Hsia und Treue, deren aus den Verhörprotokollen rekonstruierten Angaben sich allerdings in einigen – hier nicht behandelten – Details widersprechen. Die Namensformen übernehme ich weitgehend von Treue, während Hsia die deutschen Namensformen der ins Deutsche übersetzten Verhörprotokolle benutzt. Vgl. Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 66–77; Hsia, Trient 1475 (wie Anm. 31), S. 36–49.↩︎
- Vgl. Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 66–69.↩︎
- Angabe von Hsia, Trient 1475 (wie Anm. 31), S. 37. Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 70 gibt dagegen das Alter mit ca. 30 Jahren an.↩︎
- Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 75.↩︎
- Ebd., S. 71 mit Anm. 42.↩︎
- Vgl. auch die Karte in Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), Karte 2: Trient, Viertel des Mercato Vecchio. ↩︎
- Vgl. zu den verschiedenen Namensformen: Trevisan Semi, Gli Haruge trient (wie Anm. 40), S. 408 mit Anm. 8.↩︎
- Mit der Bezeichnung ‚goisch‘ als Opposition zu ‚jüdisch‘ folge ich einem Vorschlag von Skottki, die zurecht darauf hinweist, dass Jüdischsein als intersektionale Kategorie zu verstehen ist, „die sich nicht auf eine Differenzkategorie wie Religionszugehörigkeit oder race herunterbrechen lässt“. Vgl. Kristin Skotti, Zur Konstruktion der ‚mörderischen Juden im Reich um 1492. Intersektionale Perspektiven auf den spätmittelalterlichen Antisemitismus, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, 35,3 (2024), S. 102–123, https://doi.org/10.25365/oezg-2024-35-3-6 , hier S. 103–107, Zitat S. 106.↩︎
- Vgl. Hsia, Trient 1475 (wie Anm. 31), S. 48; Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 76; Processi contro gli Ebrei di Trento (wie Anm. 32), Bd. 1, S. 244.↩︎
- Vgl. Processi contro gli Ebrei di Trento (wie Anm. 32), Bd. 1, S. 113.↩︎
- Vgl. Werner Ogris, Art. „Bahrprobe“, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte 1, Berlin 22008, Sp. 408–410. ↩︎
- Vgl. Processi contro gli Ebrei di Trento (wie Anm. 32), Bd. 1, S. 114.↩︎
- Vgl. ebd., S. 121.↩︎
- Vgl. Hsia, Trient 1475 (wie Anm. 31), S. 160–162.↩︎
- Vgl. Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 134f.; Anna Esposito, Ruolo e destino delle donne ebree (1475–1476), in: L’invencione del colpevole. Il ‘caso’ di Simonino da Trento dalla propaganda alla storia, hrsg. von Domenica Primerano [u.a.], Trient 2019, S. 59–65.↩︎
- Aussage des Lazarus, 13. April 1474. New York, Yeshiva University Museum, Ms. 1988.001, S. 320: Man liess in emplössen vnd pinden vnd fraget der warhait. Antwuert: Er hets gesagt. Man zach in auff vnd liess in ein wenig springen. Er antwurt: „Sagt mir, was sol ich sagen, so wil ich es sagen.“ Digitalisat: https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE1175659 . ↩︎
- Processi contro gli Ebrei di Trento (wie Anm. 32), Bd. 1, S. 111.↩︎
- Aussage des Lazarus, 13. April 1474. New York, Yeshiva University Museum, Ms. 1988.001, S. 321, Digitalisat: https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE1175659. Vgl. auch Hsia, Trient 1475 (wie Anm. 31), S. 51.↩︎
- Vgl. Processi contro gli Ebrei di Trento (wie Anm. 32), Bd. 1, S. 124f.↩︎
- Vgl. Daniela Rando, Johannes Hinderbach (1418–1486). Eine „Selbst“-Biographie, Berlin 2008, S. 368–372. Vgl. auch Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 310 mit Anm. 39.↩︎
- Vgl. Lorenzo Colombo, Blood Libels between Trento and the Bodensee. Heinrich Kramer’s 1475 Mission, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 103 (2023), S. 231–247, https://doi.org/10.1515/qufiab-2023-0013 . ↩︎
- Vgl. Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 183.↩︎
- Vgl. für eine pathologische Beschreibung dieser Foltermethode: Michael S. Pollanen, The pathology of torture, in: Forensic Science International 284 (März 2018), S. 85–96, hier S. 90 mit Fig. 6, https://doi.org/10.1016/j.forsciint.2017.12.022. ↩︎
- Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 183.↩︎
- Vgl. Rando, Johannes Hinderbach (wie Anm. 66), S. 378f.↩︎
- Vgl. Teter, Blood Libel (wie Anm. 25), S. 46–59. Vgl. zur Überlieferung Gaia Bolpagni, Giovanni Mattia Tiberino e la Passio beati Simonis pueri Tridentini. Edizione e comento, Milano 2010, S. 54–122 sowie die entsprechenden Einträge in der Datenbank des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke ( https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/TUBEJOH.htm ). Die zahlreichen Druckausgaben sind größtenteils undatiert und wir wissen nicht, welche Ausgabe der Erstdruck war. Nach Bolpagni, S. 119, sind die wahrscheinlichsten Kandidaten dafür die nach dem 30. April 1475 in Venedig entstandenen Ausgaben GW M47712 und GW M447715. ( https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M47712.htm ; https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M47715.htm ). ↩︎
- Den lateinischen Text ediert und kommentiert Bolpagni, Giovanni Mattia Tiberino (wie Anm. 72), S. 126–154; eine Textausgabe mit englischer Übersetzung bietet: „On Everyone’s Lips“. Humanists, Jews, and the Tale of Simon of Trent. Edited and Introduced by Stephen Bowd. Latin Texts Edited and Translated by J. Donald Cullington (Medieval and Renaiassance Texts and Studies 418), Turnhout 2012, S. 40–57, hier S. 42–53.↩︎
- Vgl. Teter, Blood Libel (wie Anm. 25), S. 46–59.↩︎
- Vgl. Bolpagni, Giovanni Mattia Tiberino (wie Anm. 72), S. 116–120 mit Anm. 158; Treue, Der Trienter Jundenprozeß (wie Anm. 2), S. 83 u. 293f.↩︎
- Treue, Der Trienter Judenprozeß (wie Anm. 2), S. 83 und 293f.↩︎
- New York, Yeshiva University Museum, Ms. 1988.001. Digitalisat: https://digipres.cjh.org/delivery/DeliveryManagerServlet?dps_pid=IE1175659 . Die Protokolle zu den Verhören und der Verurteilung des Vitalis finden sich dort auf S. 130–146. Eine zweite (nicht im Handschriftencensus verzeichnete) Handschrift befindet sich im Staatsarchiv Trient: Trento, Archivio di Stato, Archivio del Principato vescovile, Sezione latina, capsa 69, n. 1a APV, SL Capsa 69 Nr. 1a. Vgl. Processi contro gli Ebrei di Trento (wie Anm. 32), Bd. 2, S. 59; vgl. auch Klaus Graf, 500 Jahre Reuchlins Augenspiegel. Mitteilungen über Erhard von Pappenheim OP, in: Früheneuzeit-Blog der RWTH, 14. Januar 2011, DOI: https://doi.org/10.58079/ovyt . ↩︎
- New York, Yeshiva University Museum, Ms. 1988.001, S. 131.↩︎
- Ebd.↩︎
- Ebd.↩︎
- Ebd., S. 134.↩︎
- Ebd., S. 134f.↩︎
- Ebd., S. 135.↩︎
- Der Beginn dieses Geständnisses ist in den deutschsprachigen Prozessakten rot markiert: Hie hebt er an die warhait zesagen. Ebd., S. 137. ↩︎
- Vgl. auch Treue, Der Trienter Jundenprozeß (wie Anm. 2), S. 181. ↩︎
- New York, Yeshiva University Museum, Ms. 1988.001, S. 141.↩︎
- Vgl. Reinardy, Kein Märtyrer ohne Ritualmord (wie Anm. 7); Heinrich, Zwischen Märtyrerkult und antijüdischen Feindbildern (wie Anm. 7).↩︎
- Vgl. zur Unterscheidung von event conspiracies, systemic conspiracies und superconspiracies: Michael Barkun, A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America, Berkeley 22013, S. 6; Michael Butter, ‚Nichts ist, wie es scheint‘. Über Verschwörungstheorien, Berlin 2018, S. 34f.↩︎
- ISTC is00528800: https://data.cerl.org/istc/is00528800 ; GW M42239: https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M42239.htm . ↩︎
- Exemplar INKA 24004609: München, Staatsbibliothek, 2 Inc.s.a. 62#Beibd. 1. Digitalisat: https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00027835-3 . Katalogeintrag BSB-Ink H-308: https://inkunabeln.digitale-sammlungen.de/Ausgabe_H-308.html . ↩︎
- Exemplar INKA 26002626: München, Universitätsbibliothek, 2 Inc. germ. 23. Digitalisat: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0002/bsb00027835/images/index.html . ↩︎
- Exemplar INKA 36002509: Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, 5 Xylogr. (2). Digitalisat: http://diglib.hab.de/inkunabeln/5-xylogr/start.htm?image=00097 . ↩︎
- Vgl. die Liste des Handschriftencensus: https://handschriftencensus.de/werke/5540 . ↩︎
- München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 4358. Der enthaltene Druck ist GW M47715: Johannes Matthias Tiberinus, De Simone puero tridentino. Mit Beig. von Raphael Zovenzonius und Johannes Hinderbach, [Venedig 1475: Gabriele di Pietro]. Vgl. zur Handschrift https://handschriftencensus.de/2380 ; Karin Schneider, Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Die mittelalterlichen Handschriften aus Cgm 4001–5247 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis V,7), Wiesbaden 1996, S. 80–83. ↩︎
- München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 1109. Vgl. https://handschriftencensus.de/9988 ; Karin Schneider, Die deutschen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Die mittelalterlichen Handschriften aus Cgm 888–4000 (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis V,6), Wiesbaden 1991, S. 78f. ↩︎
- Karlsruhe, Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 245. Vgl. mit Literaturhinweisen zu den genannten Texten: Katrin Sturm, Handschriftenbeschreibung im Rahmen des DFG-Projekts Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften der BLB Karlsruhe (Teil B), Leipzig 2015–2023, https://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/HSP00062FE200000000 . Vgl. auch https://handschriftencensus.de/5045 .↩︎
- Vgl. Valentina Perini, Iconografia del Simonino: modelli, varianti, transformazoni, in: L’invencione del colpevole. Il ‘caso’ di Simonino da Trento dalla propaganda alla storia, hrsg. von Domenica Primerano [u.a.], Trient 2019, S. 265–289.↩︎
- Hartman Schedel, Welchronik. Nürnberg 23. Dezember 1493: Anton Koberger für Sebald Schreyer und Sebastian Kammermeister, Bl. CCLIIIIv (Exemplar: Basel, Universitätsbibliothek, UBH EA I 12, https://doi.org/10.3931/e-rara-74200 ).↩︎
- Die bekannte Zwischenstufe ist ein großformatiger Holzschnitt, der wahrscheinlich um 1475–1477 in Nürnberg von Friedrich Creussner gedruckt und von diesem zusammen mit seiner lateinischen Ausgabe von Tiberinus‘ Passio beatis Simon verkauft wurde (GW M47718). Hartmann Schedels eigenes Exemplar hat sich in der Staatsbibliothek München erhalten (Signatur: Rar. 307). In diesem Holzschnitt wird bereits auch Brunetta, die ja zusammen mit den Männern verhaftet wurde, als an der Folter Beteiligte abgebildet. Vgl. Holzschnitt (Schreiber 1967): Die Marter des sel. Simon. [Nürnberg(?): Friedrich Creussner(?), um 1475–1477], 275x395 mm. Digitalisat: https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00032155?page=16 . Vgl. Perini, Iconografia del Simonino (wie Anm. 97), S. 270; Areford, The Viewer (wie Anm. 39), S. 184–186; Sarit Shalev-Eyni, Entanglement and Disentanglement. Visual Expressions of Late Medieval Ashkenazi Existence, in: Transkulturelle Verflechtungsprozesse in der Vormoderne, hrsg. von Wolfgang Drews und Christian Scholl, Berlin/Boston 2016, S. 174–196, hier S. 187f., DOI: https://doi.org/10.1515/9783110445480-009; Wilhelm Ludwig Schreiber, Handbuch der Holz- und Metallschnitte des XV. Jahrhunderts 4, Leipzig 1927, Nr. 1967, https://doi.org/10.11588/diglit.50194#0125; BSB-Ink: T-48: https://inkunabeln.digitale-sammlungen.de/Exemplar_T-481,1.html. ↩︎
- Johannes Matthias Tiberinus, Epitaphium gloriosi pueri Simonis Tridentini novi martyris (Sum puer ille Simon), Trient um 1476: Albrecht Kunne. ISTC it00479500: https://data.cerl.org/istc/it00479500; GW M 4223910: https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M4223910.htm. Digitalisat: http://kk.haum-bs.de/?id=xv-einbl-ab3-0047. Vgl. zu diesem Druck mit Transkription und Übersetzung: Christine Magin und Falk Eisermann, Two anti-Jewish broadsides from the late fifteenth century, in: The woodcut in fifteenth-century Europe, hrsg. von Peter W. Parshall, New Haven, Conn. 2009, S. 191–203, hier S. 193–196.↩︎
- Silvester de Balneoregio, Conclusiones cum earum declarationibus super canonizatione Simonis Tridentini, Trient nach dem 6. Dezember1475: Albrecht Kunne. ISTC is00880000: https://data.cerl.org/istc/is00880000; GW M42150: https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M42150.htm. Digitalisat: https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00069552-0. Vgl. zum Text Worstbrock, Art. „Simon von Trient“ (wie Anm. 1), Sp. 1266.↩︎
- Johannes Mathias Tiberinus, Historia completa de passione et obitu pueri Simonis; Miracula beati Simonis; Lamentationes beati Simonis ('Sum puer ille Simon'), Trient 9. Februar 1476: [Albrecht Kunne für] Hermann Schindeleyp. ISTC it00481000: https://data.cerl.org/istc/it00481000; GW M47718: https://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/M47718.htm. Digitalisat: https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00070635-2. ↩︎
- Die Gestalt der von Kunne in Trient verwendeten Type wird als Indiz für eine Ausbildung in Oberitalien gewertet. Vgl. Dieter Saam, Albert Kunne aus Duderstadt. Der Prototypograph von Trient und Memmingen und die Produktion seiner Offizinen (ca. 1474 bis 1520), in: Bibliothek und Wissenschaft 25 (1991), S. 69–175, hier S. 81; vgl. auch Hans Lülfing, Art. „Kunne, Albrecht“, in: Neue Deutsche Biographie 13, Berlin 1982, S. 299, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119107228.html#ndbcontent; Hans-Joachim Stewig, Dem Vergessen entrissen! Spätmittelalterliche Bücherschätze aus Duderstädter Sammlungen. Von Butterbriefen, Aderlass und Seelenheil, Duderstadt 2018, S. 48.↩︎
- Vgl. Saam, Albert Kunne (wie Anm. 103), mit den Korrekturen in Frieder Schanze, Inkunabeln oder Postinkunabeln? Zur Problematik der „Inkunabelgrenze“ am Beispiel von 5 Druckern und 111 Einblattdrucken, in: Einblattdrucke des 15. und frühen 16. Jahrhunderts. Probleme, Perspektiven, Fallstudien, hrsg. von Volker Honemann [u.a.], Tübingen 2000, S. 45–122, hier S. 53, Anm. 30.↩︎
- In Memmingen druckte er später mit anderen Typen. Vgl. die entsprechenden Einträge im Typenrepertorium der Wiegendrucke: https://tw.staatsbibliothek-berlin.de/pe0111400. ↩︎
- Historie von Simon zu Trient, Trient 6. September1475: Albrecht Kunne. Exemplar: München, Staatsbibliothek, 2 Inc.s.a. 62#Beibd. 1, INKA 24004609Digitalisat: https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00027835-3. ↩︎
- Historie von Simon zu Trient. Dataset zur digitalen Edition, hrsg. von Marco Heiles und Michael Schonhardt, Darmstadt 2025, https://github.com/dekm-tud/Historie-von-Simon-zu-Trient; Historie von Simon zu Trient. Dataset zur digitalen Edition, hrsg. von Marco Heiles und Michael Schonhardt, Darmstadt 2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.18613498.↩︎